Die klassische Passwort-Regel ("mindestens ein Sonderzeichen, eine Zahl, ein Großbuchstabe, alle 90 Tage ändern") gilt inzwischen fachlich als überholt. Sie führt vor allem dazu, dass Menschen vorhersehbare Muster wählen (aus "Sommer2024!" wird "Sommer2025!") oder Passwörter aufschreiben. Ein paar Regeln, die in der Praxis tatsächlich mehr Sicherheit bringen, ohne den Alltag zu verkomplizieren:
Länge schlägt Komplexität
Ein langer, gut zu merkender Satz ("KaffeeMachtMontagsErstMoeglich!") ist für Angreifer deutlich schwerer zu knacken als ein kurzes, kompliziertes Passwort mit Sonderzeichen-Wirrwarr — und lässt sich trotzdem im Kopf behalten.
Für jeden Dienst ein eigenes Passwort
Der größte Einzelrisikofaktor ist die Wiederverwendung: Wird ein Passwort bei einem gehackten Drittanbieter-Dienst geleakt, probieren Angreifer es automatisiert bei zig anderen Diensten aus. Ein Passwort-Manager (es gibt gute kostenlose Optionen) nimmt die Arbeit ab, sich für jeden Dienst ein eigenes, langes Passwort zu merken — man muss sich nur noch das eine Master-Passwort merken.
Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo immer möglich
Ein zusätzlicher Code per App (nicht per SMS, wenn vermeidbar) macht ein gestohlenes Passwort für Angreifer meist wertlos. Für E-Mail-Konten und alles, was Zugriff auf Finanzen oder Kundendaten hat, ist das eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt — und in den meisten Diensten in wenigen Minuten aktiviert.
Geteilte Zugänge vermeiden
Ein gemeinsames Login, das sich das ganze Team teilt, ist praktisch, aber im Ernstfall ein Problem: Niemand weiß mehr, wer wann worauf zugegriffen hat, und beim Ausscheiden eines Mitarbeiters muss das Passwort für alle geändert werden. Individuelle Zugänge pro Person sind der sauberere Weg, auch wenn die Einrichtung anfangs etwas mehr Aufwand bedeutet.
Ein Passwort-Manager plus Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt vor den allermeisten alltäglichen Angriffen — mehr Aufwand braucht es oft gar nicht.
Zugänge im Team einmal sauber aufsetzen
Von der Auswahl eines passenden Passwort-Managers bis zur Zwei-Faktor-Einrichtung für die wichtigsten Konten.
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